Lame Brain Pete »Manimal«
Tracklisting
- Stereo Receiver (04:03)
- Song For Rent (03:13)
- Timon (03:04)
- Painless Clue (03:42)
- Close Range (07:22)
- Not The Busdriver (05:02)
- A Singles Tale (02:37)
- Dirty Shoes (06:23)
Veröffentlichung: 14.02.2004
"In der Liebe und im Rock'n'Roll gibt es keine Grenzen und keine Geschlechter", dieses Zitat von Guitarwolf dokumentiert, warum Lame Brain Pete keine andere Wahl haben als Rock'n'Roll.
Denn eine Eingrenzung ihres Schaffens fällt nicht leicht: Das Quartett ist melodisch, aber dennoch laut. Lame Brain Pete sind nicht minder überraschend wie träumerisch und genauso sexistisch wie sanft. Ihre Songs sind relaxed, aber nichtsdestotrotz heiß und spannend.
Was wie Gegensätze erscheint, wird mit Kraft und Ausdruck, der Mischung sphärischer Klangwelten mit noisigen Gitarrenwänden, zu einem Ganzen, wie "Manimal", das Debütalbum von Lame Brain Pete beweist.
Der Opener "Stereo Receiver" ist exemplarisch für die Wechsel zwischen stillen und engergiegeladenen Momenten. Eine treibende Zerrgitarre und eine spielfreudige Geige machen die Musik, aber Langeweile kommt nie auf, denn Lame Brain Pete beherrschen die Kunst der Variation. "Song for Rent" rockt mit schmutzigen Gitarren zwischen Mid- und Uptempo, bei "Timon" machen die Saiten zu zuckersüßem "Ba Ba Ba Ba"-Chor poppig Pling.
Solide Gitarrenwände wechseln sich ab mit der betörenden Geige ("Painless Clue"), Violinistin Caro versprüht Charme durch ihren hypnothisierenden Backgroundgesang. Mit der 7 Minuten-Nummer "Close Range" beweist die Band Mut zum Opus: divenhafter Gesang, Melodie und Krach in Symbiose, opulent, ausufernd und herrlich.
"Not The Busdriver" besticht durch Verpieltheit und Tempowechsel, auf "A Singles Tale" swingt der Bass relaxed, der lasziv-tiefe sexuelle Gesang fordert Beischlaf ("I wanna fuck you") und suggeriert dabei eindrucksvoll, daß auch Stimmbänder Strapse tragen, bis dann ein kakophoneskes Gitarreninferno in Sonic Youth-Manier den Schlußpunkt markiert. Bei der melancholischen Geige über noisigen Big-Muff-Gitarren und Feedback ("Dirty Shoes") fällt es nicht minder schwer, die Klangwelt von "Manimal" in Worte zu fassen: Noiserock? Emo? Swing? Pop?
Aufgenommen wurde "Manimal" im Twilight Studio zu Illingen und zu Hause von Mathias Koblé und Max Ludwig, produziert, gemischt und gemastert wurde das Album von Mathias Koblé.
Als Bonus gibt es auf der CD mit dem Video zu "Close Range" Impressionen aus dem Studio. Eine Augenweide! In Szene gesetzt wurde das Video von Michael Koob, bekannt u. a. als Kameramann für den Thomas D. Film "500 Tage Solo". Die CD kommt im schicken Jewelcase mit klarem Tray, fürs Artwork verantwortlich zeichnet Peter Himpel.
Reviews zu Manimal
in-your-face.de
Costa schreibt am 28.03.2004:
LAME BRAIN PETE sind zwei Frauen und zwei Männer. Manch eine wegsubventionierte Frauenbeauftragte wäre angesichts dieser politsch korrekten Quote freudig erröttet. Auch die Tatsache, dass die Band das Wort sexistisch gegen Männer benutzt lässt ja auf emanzipierte Frauen setzen, zumal die eine ja singt und die andere das ach so zarte Instrument Geige zupfen darf. LAME BRAIN PETE hört man sich trotz allem ganz gern an. Ein wenig erinnert das Quartett mit ihrer "Folkrock trifft auf Poppunk und nimmt noch die Freundin mit der Geige mit" wie CURSIVE aus dem Umfeld von USA-Hype Conor Oberst. Einzig die Stimme von Frau Schmidt ist deutlicher Beweis für die Herkunft der Band. Auch wenn sie sich anstrengt heimatsprachentauglich Englisch zu trällern, man merkt ihr diese Anstrengung und die Tatsache der Deutschstämmigkeit an. Ist aber nicht weiter schlimm.
Sweet Jane Music
Elmar Köstner schreibt am 13.02.2004:
Lame Brain Pete haben sicher etwas degegen, wenn man sie als "Folk"-Band bezeichnet. Die Idee kommt einem auch nur, wenn man sich auf die Besonderheit der fest integrierten Geige im Line-Up versteift. Aber mal abgesehen davon, dass die Festlegung einer Band wegen eines kleinen Assessoirs ein wenig engstirnig wirkt, wäre die Geige auch der einzige Grund, hier von Folk zu sprechen. Von ungeliebten Begleiterscheinungen, die man mit dem Begriff "Folk " verbindet wie Weltverbesserertum, ist man sicher weit entfernt.
Lame Brain Pete sind eine noch recht junge Band aus einer mir unbekannten Stadt aus Deutschland, die aus einem gemischen Vierer bestehen. Den Gesang übernimmt Frontfrau Jay, die zudem noch in die Saiten greift. Die Idee der Melodie steht bei dem Schaffen der Band eindeutig im Vordergrund. Aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und eben der Geige wird hier ein feiner Teppich aus weitestgehen ruhigen Tönen hingelegt, denen die Sängerin Seele einhaucht. Dazu gibt es die verzerrte Gitarre dramaturgisch passend eingesetzt, wo man sie erwartet und fertig ist ein feiner Indie-Song. Quasi Schäfchenwolkenmelodien, dazwischen laute Gitarrenausbrüche, die den Hörer zur Ordnung rufen, wenn er sich dem In-Gedanken-Verlieren zu sehr hingibt. Sängerin Jay hat ein schönes Organ, beherrscht eine große Bandbreite von Ausdrucksformen und verleiht den Songs eine eigenständige Note, eine Freundin deutlicher Worte mit einigem zu sagen zum ewigen Geschlechter-Battle. Ich hätte mir etwas weniger Vorhersehbarkeit im Songwritertum gewünscht, die überraschenden Momente halten sich doch im Rahmen. Eine Geige macht sozusagen noch keinen Sommer. Aber wo gibt es sonst Indie-Rock mit filigranem Frauengesang... ok, zumindest in unseren Breiten?
Auf der Scheibe ist auch noch das Video zu "close range" enthalten. Schöne Platte also mit schönem Cover. Allerdings in der etwas unausgereiften Produktion sehe ich für die Zukunft noch Verbesserungspotential.
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