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Blog-Eintrag
Wie ich zur (Rock-) Musik kam (Initiated by Massi) Teil 1 - Moritz A. Klein
10.10.2003 - Ich war wohl 12 Jahre alt oder so, und es waren Die Ärzte. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, daß ich Musik machen wollte. Ich schrieb auch Texte, doch das war weniger ernstzunehmen. Aber das Wissen war schon sehr früh in mir, daß es mich ausfüllen und glücklich machen würde.
Bereits zu diesem Zeitpunkt bekam ich dann (nach Anfrage) die alte akustische Gitarre von meinem Vater (mächtige Eko-Westernklampfe, Fotos zeigen ihn damit auf Abschlußfahrt irgendwann in den 70ern).
Unterricht zu nehmen fing so an: "Nirvana - Live unplugged" in New York. Mathias Caesar (Metty) war "Schützling" bei der ABH (Ausbildungsbegleitende Hilfe), wo mein Vater als Sozialarbeiter tätig war. Statt dort zu lernen, brachte Metty seine Gitarre mit und klampfte so rum. Als mein Vater einmal nach "Come as you are" fragte, brachte Metty ihm eine Kassette mit - "Nirvana unplugged"/ "Little Axe". Diese Kassette fiel mir in die Hände. Kawumm!!
Ein Kerl namens Dominique Kohr (Mitte zwanzig, spielte bei Dysfunctional mit Patrick Bickel und dem späteren, jetzt ehemaligen MTA9-Drummer Tobi Wagner) wurde mein Jedi-Meister. Viele lange Jahre lang brachte er mir vieles bei.
Neben Soundgarden und Nirvana hauptsächlich wurde mir auch etwas später ein entscheidender "Schlag" von eben jenem Tobi versetzt: Als er etwas später meinem Bruder Schlagzeugunterricht gab, brachte er mir Kyuss mit (Stoner-Rock, mit Nick und Josh von den Queens) und eine DER entscheidenden Platten: HELMET -BETTY!
Weiter war mein Onkel Frank sehr wichtig. Mit den Worten "Du hörst doch gerne Nirvana, oder?!" gab er mir eine Kassette mit den Foo Fighters, die ich sofort ins Herz schloß. Und dann auch sehr, sehr wichtig: "TOCOTRONIC - Digital ist besser". Die beeinflußte mich wie Hölle!
Sehr wichtig für mich war (durch die große Schwester meines besten Freundes Jan) Punkrock. "Fat Music Vol. 2" hieß die Platte und enthielt Nofx und Co. Skatepunk vermittelt mir immer noch ein großes Gefühl, unsterblich zu sein und Teil einer cooleren, elitären Bewegung. Eben die goldenen Jahre. Skateboardfahren und saufen, es war herrlich. Vom Gefühl her war diese Faust-erheben-und-mitsing-Musik noch wichtiger als Grunge.
Durch meinen Gitarrenlehrer und eines der prägensten Dinge überhaupt, dem BIZARRE-FESTIVAL-Video (98?), von Philipp Zimmer zufällig auf WDR aufgenommen, wurde ich EXTREM beeinflußt: Darauf waren vor allem drei Bands: Deftones, Foo Fighters, damals war gerade "The Color and the Shape" draußen und Faith No More. Geniale Live-Auftritte und unglaublich prägend. Ich selber hatte ein weiteres Video, es wurde von Dave Grohl und Taylor Hawkins moderiert, sie sagten Dinosaur Jr. an. Dieser Auftritt haute mich weg, und ich besaß bald zwei CDs dieser herrlichen Band: "Green Mind" und eine uralte, gnadenlosgute Live-CD. Man hörte dies meiner ersten eigenen Band SPIT sehr stark an. Wir haben zweimal im Werkhof gespielt. Mit endlosen Gitarrensoli.
Nach einer nicht erwähnenswerten frühpubertären New-Metal-Phase, die jedoch schnell vorbeiging, die ich (wie Massis Nicht-Musik-Phase) als nicht sehr prägend ansehe, da ich mich heute mit nichts mehr identifizieren kann, was ich in dieser Zeit (ca. 15) an solchen Sachen gehört habe, allerdings immer noch Tocotronic und Helmet mag, die ich früher kannte. Jedenfalls ging's nach dieser miesen Phase dann immer mehr bergauf.
Ich fand beim späteren Hören von bestimmten Platten heraus, daß ich an eben diese noch Erinnerungen aus wesentlich früherer Zeit als sogar Nirvana etc. hatte, weil ich durch meinen Onkel Frank und meinen Dad damit "aufgewachsen" war: dEUS und Tom Waits. Ich konnte die Lieder noch aus dem Unterbewußtsein mitsingen, ich muß da wohl so zehn gewesen sein. Bei Tom Waits sogar eher erst acht.
Eine sehr wichtige Band, die einen Extra-Absatz in dieser Fast-Biographie kriegt, war und ist ...But Alive! Das Gefühl von einer gewissen Zugehörigkeit und gleichzeitigen Abgrenzung und die dazugehörigen Besserwisser-Texte, sowie die herllich emotionalen und von Tiefe strotzenden Gitarren von "Hallo Endorphin" haben bei mir zusammen mit tollen Erinnerungen an Jan Rau und Alex Kirsch, meinen ältesten Freunde und langjährigen Bandkollegen, etwa beim Saufen am Bahnhof, Erklimmen von hohen Bergen und das Über-Emo-Gefühl, sich dann Landsweiler vom höchsten Punkt aus anzukucken, Nacktbaden im Itzenplitzer Weiher und Heiligenwald als Königreich einer fast glücklichen Jugend eine tiefe Prägung meines Charakters (die Zeit) und meines Musikgeschmacks (...But Alive) hinterlassen
Dann kamen Blackmail und Scumbucket, und ich weiß gar nicht mehr genau was sonst noch alles. Auch die Chili Peppers waren sehr wichtig. Dann hab ich sehr viel gekifft und das für mich persönlich wichtigste passierte. Mir fielen folgende CDs in die Hände: Jimmy Eat World -"Clarity", At the Drive-In - "Relationship of Command" und später "Acrobatic Tenement", sowie Ash und befreitere Musik, bei der es nicht mehr nur um Depressionen ging, sondern auch oft um musikalische Beschreibung von Momenten, Entgrenzung und nicht zuletzt sehr oft einfach nur das Meer und die Sterne. Ein Zwischending aus diesem alten Punkrock-Feeling, Parolenschreien und politisch unbequem und elitär sein und so und einem neueren Gefühl, nämlich dem, in der Musik die Grenzen des Daseins aufzulösen. Vermittelt von vielen wunderbaren, gitarrenzupfenden Bands mit kristallinem Klang legten diese dann den Grundstein meines jetzigen Geschmacks. Das war und ist bis jetzt die wichtigste Musik für mich.
Mittlwerweile höre ich sehr viel "Emo" und ich mag dieses Zwei-Gitarren-Ding, wo alles ineinander überfließt und zu einem Gesamteindruck verschmilzt. Pale z. B. sind absolut großartig.
Ich höre sehr viel Untergrund-sachen, was ca. die Hälfte meines Geschmacks ausmacht, schlechtproduziertes Vinyl-Zeugs, oft aus Deutschland wie Yage, The Oliver Twist, 125 Rue Montmartre, Puma, Maggat, Kurt und diverses anderes Geschrei...
Die andere große Seite sind bekanntere "Emo"-Sachen wie Jimmy Eat World und Boy Sets Fire und meine mit steigendem Alter gewachsene Liebe zum Pop und zu überschubladiger Musik wie Radiohead und Queens of the Stone Age oder Aereogramme, die man einfach nur als Ausnahmemusiker sehen kann.
Über die Jahre hat sich auch eine sehr große Tendenz nach England entwickelt, die vor allem Coldplay, Radiohead, Blur etc.
Ich hatte auch eine ziemlich wichtige Hardcore-Phase, ich mag das Zeug immer noch, aber es gibt keine guten neuen Hardcore-Bands. Dafür haben wir aber alte Bands wie Fugazi und die fast-alten Rival Schools.
Ich mag auch Elektro, ich glaube, das hat bei mir was mit Drogen zu tun. Wenn man sich den ganzen Tag so extremes Zeug anhört, muß man manchmal abschalten. In den letzten zwei Jahren ist noch viel Rock'n'Roll dazugekommen. Die Hives selbstverständlich und Trbngr hab ich mir vor drei jahren zu Weihnachten gewünscht. Hot Hot Heat und Robocop Kraus sind absolut bombig.
Musik ist neben ein paar Menschen das wichtigste in meinem Leben, und deshalb ist dies hier gleichsam eigentlich fast meine Autobiographie, denn viel anderes habe ich nicht gemacht. Okay, es fehlen ein paar Bandnamen (meiner eigenen oft peinlichen Bands), der Alkohol und die Drogen sind ein bißchen zu kurz gekommen, auch Schulprügeleien und Fickgeschichten habe ich hier extra verschwiegen, doch im Grunde wißt ihr jetzt ziemlich viel über mich. Naja, das hat ja wahrscheinlich eh keiner ganz gelesen. ist aber ganz interessant...
Iich hätte ja gerne so weit ausgeholt wie Massi, aber... Ich hab ja auch noch was zu tun!!!
© by Woulffboy Moe, 10. Oktober 2003
Moritz A. Klein lebt in einem Haus im Wald nahe einer Anschlussstelle der Bundesautobahn 8. Neben seinem Wirken als musikalischer Tausendsassa, welches sich bisher in seinen Bands Spit, Faget, Misericordia, Fuckmonkeys und dem Soloprojekt Szyslak niederschlug, bastelt er an seinem Abitur, dem Führerschein und dekonstruktivistischen praxisorientierten Theorien über seine liebste orale Befriedigung, die noch vor dem Rauchen von Filtercigaretten aus dem Hause Reemtsma kommt: Essen.
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