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Blog-Eintrag

Wie ich zur (Rock-) Musik kam (Initiated by Massi) Teil 2 - Dirk Maria Forster

12.10.2003 - [Check My Roots Mode On]

Als Kind mute ich, weil wir eine arme Familie waren, die abgelegten Platten meines Bruders hren. Ich, ein mickriger neunjhriger Junge mit doofer Frisur, doofen Klamotten und Black Flag-Tapes im alten roten Sony-Walkman meines Bruders, bei dem der Batteriedeckel fehlte... Meine Lieblingsplatte als Pr-Teenager waren die Toten Hosen mit ihrer "Opelgang", weil die so komische Sachen sangen wie "Willi mu ins Heim"... Das war interessant, war dies doch der Ort, an den mich meine Eltern schicken wollten, wenn ich es nicht schaffte, auf Gymnasium zu kommen...

Ich mute nicht ins Heim und bekam einen C64! Klasse, jetzt war Multimedia angesagt... Maniac Mansion zocken und SWA-Platten hren, damit kann man schon einige Jahre verbringen... Ruckzuck ist man Teenager, die Frisur ist immer noch scheie, die Klamotten sind immer noch scheie, und der alten rote Sony-Walkman ohne Batteriedeckel spielte noch immer Black Flag, Dead Kennedys, The Wipers...und neuerdings auch so was wie The The oder die Smiths...

Irgendwann peilt man dann, da hinter dieser ganzen Musik ja eigentlich auch noch mehr steckt... Und dann trgt man eine Scheifrisur und Scheiklamotten und ist damit auch ganz zufrieden, man malt sich ein A mit einem Kreis drum auf das Mppchen... Den Mdchen leiht man Chrome-Platten aus, weil man meint, das knnte denen gefallen. Man tuscht sich natrlich, und man gilt als wunderlich.

So was das damals... Platten gab's ausschlielich per Mailorder bei Malibu-Records, dort bekam man dann dieses krachige Zeug, wo SubPop und Amphetamine Reptile draufstand... Die Kollegen hrten Metal, das war echte Scheimusik, aber man lie sich dann auch mal die Haare lang wachsen, weil die Heavy-Loser auch so gerne Bier tranken und auch keine Mdchen abkriegten. Der kleine rote Sony-Walkman spielte Mudhoney, Cows, Beat Happening... Und berhaupt gibt's gute Labels galore...

So in der achten Klasse (Versuch zwei) hab' ich dann mal beim Blau-machen Frankster getroffen... Das war gut, weil der auch scheie aussah [Das ist also der Dank dafr, da ich hier sitze und Deinen Text setze und korrigiere, Dirkster. Dich kauf' ich mir! - Anm. d. Red.] und andere Musik hrte, aber sich als erster fr die merkwrdigen Bands interessierte, die ich so mochte. Der kleine rote Sony-Walkman spielte Mudhoney, Cows, Beat Happening, Fellow Travellers, Mighty Caesars, L7, Bastards...

Und berhaupt gibt's gute Labels galore...K-Records, Kill Rock Stars, Shrimper, C/Z, blablabla...

So langsam darf man sich hin und wieder sogar mal paaren, weil Mdchen pltzlich lange Haare mgen...

Die Metal-Deppen hatten als Freunde ausgedient, weil auf einen Schlag alle Hardcore hrten... Das war auch Scheimucke, aber es gab kleine Schnittpunkte und ich hatte ja noch Black Flag-Platten... Sogar mit Songs drauf, auf denen Dez Cadena sang und nicht der Rollins-Depp! Das Problem war, da die Hardcore-Jungs alle Jungs waren und nicht mal Bier tranken... Aber man konnte prima mit auf Konzerte fahren, die einen nicht wirklich interessierten...

Dann bin ich 18... Und kann selbst auf Konzerte fahren... Auf Mountain Goats zum Beispiel und auf Unsane... Alleine! Ohne Deppen.Und in Saarbrcken gibt's pltzlich Plattenlden, die sogar Platten haben, die man wirklich hren will...

Malibu ist heute pleite, Hardcore heit jetzt Emo und Raider Twix... Und sogar Mdchen haben (manchmal) irgendwie Ahnung von Musik...

Was bleibt, ist der kleine rote Sony-Walkman ohne Batteriedeckel...Und die Scheifrisur...

[Check My Roots Mode Off]


by Dirkster, 12. Oktober 2003

Dirk Maria Forster ist Kotelettentrger, Elektronikmusiker und ehemaliger Leadsnger der Infernorocker Kingdom of the Night.

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