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Blog-Eintrag

Wie ich zur (Rock-) Musik kam (Initiated by Massi) Teil 4 - Philipp Zimmer

06.02.2004 - Als ich noch richtig jung, quasi noch klein war, gut, das bin ich heute noch, aber ich meine richtig klein, acht Jahre alt oder so, bekam ich von meiner Tante meine erste CD geschenkt. "Küssen Verboten" von den Prinzen. Mein absolutes Heiligtum. Gehört heute noch zu den gern gehörten Platten meiner Sammlung. Früher mußte man diese Platte besitzen, später dann "Seiltänzertraum" von Pur. Das war die erste Band mit Gitarren, die ich wohl je vergöttert habe. Zur Rockmusik kam ich letzten Endes durch die Ärzte. "Planet Punk" hieß das Stichwort.

Wenn man beginnt, Rockmusik zu hören, verlangt man, vor allem als Gitarrist, nach immer härteren Gitarren. Blind Guardian, Sepultura, Grip Inc., Metallica usw. Das ist der Werdegang, den vielleicht die meisten durchmachen, bis man irgendwo bei Six Feet Under an die Grenzen stößt und so etwas für zu langweilig hält, weil man sich eventuell musikalisch gesehen nicht mehr genug gefordert fühlt oder mir auch der Gesang bei solcher Musik nie besonders gut gefiel. Ich bin heute noch zu "musikorientiert" und verpasse immer den Gesang, also auch die Message, was natürlich ein großer Fehler ist, gegen den ich jedoch nie ankämpfen konnte.

Die Liebe meines Lebens fand ich irgendwann 1998 nachts im Hessischen Rundfunk. Die übertrugen das Bizarre Festival. Weil gerade die Guano Apes liefen, mußte ich mir natürlich die Sendung aufzeichnen. Das Vidoeband hab ich mir dann am nächsten Tag angesehen. Nach Guano Apes spielten die "Deftones aus Sacramento", wie Alan Bangs, dieser seltsame Halbamerikaner mit dem scheiß Akzent [Äh, der Mann ist Brite. - Anm. d. Red.], der immer die Rockpalast Sendungen moderierte, sie so schön ankündigte. Mein absoluter Horror. Wie kann man nur so sinnlos aggressive Musik machen und warum zur Hölle muß das Arschloch am Mikro nur so schreien?

Ich zeigte das Tape meiner Mutter…Ich verstand es nicht… Dem Entsetzen ihres Gesichtes nach zu urteilen, sie wohl auch nicht. Ich habe es ganz vielen anderen Leuten gezeigt und habe mich immer wieder tierisch darüber aufgeregt. Eine Woche später habe ich mir die CD "Adrenaline" gekauft, weil es irgendwie anfing, mir zu gefallen und habe sie glaube ich drei Monate, ohne Unterbrechung, gehört. Auch im Schullandheim in Lübben. Mo erinnert sich bestimmt noch daran, daß er sich nie mit mir den Walkman teilen wollte, weil ich immer nur Deftones hörte. Mein Walkman war übrigens schwarz, und der Batteriedeckel hat auch gefehlt, aber meine Schwester hatte ihn in rot. Der gute alte Sony. Unzerstörbar… Wie auch immer. Die Alben hab ich dann alle gekauft, und sie sind mir auch noch nie langweilig geworden. Genug von den Deftones!

Irgendwann begann ich dann selbst die Klampfe in die Hand zu nehmen und eine Band zu gründen. Die legendären Spit, mit Mo und Seiner. Ja, war ein riesen Erfolg, war ja auch die erste. Ich dachte, wenn ich Musik mache, muß ich auch dazu stehen und habe mir erst mal die Haare wachsen lassen. Ja, Rock'n'Roll und so. Aber früher war das irgendwie uncool, solche Musik zu hören. Früher kannten die Leute nicht mal Limp Bizkit und Korn. Ja, genau, die waren gerade im Kommen. Uncool war's trotzdem. Also die Haare wieder ab, Baggies angezogen und rollen gegangen.

Ich bin ins Nu Metal-Zeitalter geboren, und damit habe ich wohl irgendwie ein Problem. Naja, manches ist ja ganz gut, wie halt die Deftones, also das, was sie früher gemacht haben. Jaja, die Deftones.

Als sich meine Freundin von mir getrennt hat, begann ich dann Elvis-frisuren, dicke Hornsonnenbrillen und Mascara zu tragen und Hellacopters zu hören. Ja, viel gesoffen habe ich natürlich auch. Den Abend des Rock'n'Roll-Tages hab' ich mir dann mit Radiohead, Vega 4, Coldplay, Julia's Trace und Travis versaut. Das war nur so 'ne Übergangsphase, um in meinem eigenen Mitleid wohl zu ersaufen. Ach ja, den Hemdkragen hatte ich natürlich auch immer hoch gestellt.

Ich hatte irgendwie plötzlich das Verlangen nach was Neuem. Das habe ich wohl in Dredg, Blackmail, Massive Attack, Tocotronic, die ich bis dahin immer gehaßt hatte, Tomte, Kettcar und wohl auch einigen Emobands, wie Ambrose, Leiah, The Unisex, usw. gefunden.

Ja, das mit dem Emo war immer so 'ne Sache. Was ist eigentlich Emo? Irgendwie fängt das bei Radiohead an, geht über Jimmy Eat World, dann The Used, bis hin zu den Deftones. Jaja, die Deftones. Nein! Aber was ist nun Emo? Das steht doch irgendwie für emotional, oder so. Aber eigentlich ist doch in jeder Musik Emotion. Aggression ist schließlich auch eine Form der Emotion. Aber ich würde Slipknot nicht als Emoband bezeichnen.

Die ganze Geschichte mit den Musikrichtungen ist irgendwie wohl auch fraglich. Wenn mich jemand fragt, was ich für Musik mache, sage ich immer "PostAlternativeNuGrungePopEmoHardMetalFunk-NoiseCore mit einem Hauch JazzEdge". Im Grunde weiß ich gar nicht, was das alles soll… Hauptsache ich mache Rockmusik. Ich hab' mich lange genug mit Emobands gezofft, weil ich ihnen zu harte und sie mir zu schwule Musik gemacht haben. Ich find Emo geil! Weil's halt Rockmusik ist.

Im Moment beschäftige ich mich wohl eher mit Nachwuchsbands. Ich finde das saarländische Musikniveau verdammt hoch. Das ist mir vor allem mit den Jungs von Julia's Trace klar geworden. Ich wusste gar nicht, was man mit seinen Fingern alles machen kann. Danke an Herrn Loré!

MTA9 hör' ich schon lange und immer wieder gerne, im Moment ist mein Favorit wohl Llynch, aber auch von Crash My Deville, Hardcut, Lie Awake oder den leider nicht mehr existierenden Taletellers Soulsellers kann man es sich wohl ganz gut besorgen lassen. Also Respekt an die saarländische Musikszene.

Letzten Endes bleibt zu sagen, daß die Geschmäcker ja verschieden sind, aber für alle was dabei ist und für mich die Deftones. Ich muß wohl auch gestehen, daß ich irgendwo auch eine Schwäche für Linkin Park habe. Aber die höre ich nur beim Autofahren. Sobald die Handbremse gezogen ist, finde ich sie irgendwie scheiße. Manchmal kann ich mir Nu Metal eigentlich richtig gut geben. Die alten Limp Bizkit zum Beispiel… Wer jetzt stöhnt, sollte mal schauen, ob er nicht irgendwo einen Sampler mit "Faith" drauf hat. Wer das nicht zu Hause hat, hat wohl was verpaßt.

Ich denke auch, daß die meisten Rockfreunde irgendwie den Nu Metal unterbewerten. Zum Beispiel ist der DJ von Hardcut 'ne absolute Wucht, und die Deftones haben ja schließlich auch einen. Jaja, die Deftones.

Und wen stört schon ein bißchen Gerappe? Das muß manchmal her, weil sonst die Bewegung in dem einen oder anderen Song fehlt. Was wären Songs, wie "Headup" oder "Faith" ohne Sprechgesang? Da fängt's doch gerade mal erst an zu rocken. Ich bin absolut kein Nu Metal Mensch, aber manchmal braucht man das halt.

Die letzte Band, die ich noch erwähnen möchte, ist Tool. Die haben mich auch mehr fasziniert als alles andere, mal abgesehen on den Deftones. Ich denke, daß Tool ihre Musik mit dem Computer machen, weil diese musikalischen Fähigkeiten unmenschlich sind. Ja, definitiv! Da gibt's absolut nichts gegen zu sagen. Das ist alles in Stücken aufgenommen und zusammengeklebt. Und ihre Shows sind sicherlich Playback. Da kann mir keiner was erzählen. Weil ich nicht glaube, daß es Schlagzeuger mit acht Armen und Gitarristen mit vier Händen und Bassisten mit drei Daumen und zehn Zeige- und Ringfingern gibt. Nein, mal im Ernst. Das ist doch der absolute Wahnsinn. Mir hat mal ein strack besoffener schlechter Hives-Verschnitt auf einer Party klar machen wollen, daß Tool nicht innovativ sind. Aber die Hives um so mehr. Ich denke, ich habe mich nicht mit ihm geprügelt, weil er ziemlich groß war. Es gibt mit Abstand nichts Innovativeres als Tool. Nicht mal die Deftones.


© by Z-Master, 6. Februar 2004

Philipp Stefan Johannes Richard Zimmer (18) hat wirklich so viele Vornamen, verehrt Frauen (allen voran Oma Ilse) und spielt Gitarre bei Magnamerra.

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